Der Salzbachkanal: Denkmal unter der Wilhelmstraße

Der Salzbachkanal wurde 1907 fertig gestellt. Er ist 5 Meter breit und in der Mitte 4,5 Meter hoch – und auf einer Strecke von 3 Kilometern begehbar. Früher war die Strecke zwischen Theater und Hauptbahnhof sogar komplett elektrisch beleuchtet.

 

Der Salzbachkanal hat an dieser Stelle ein Gefälle von 1:280 und ist im Stande, eine Wassermenge von rund 65.000 Liter pro Sekunde abzuleiten. Das entspricht 65 m3 pro Sekunde oder ungefähr 260 volle Badewannen pro Sekunde.

Die Geschichte des Salzbachkanals

In den früheren Jahrhunderten wurde das Abwasser in Wiesbaden über die fünf Bäche – den Rambach, den Dambach, den Schwarzbach, den Kesselbach und den Wellritzbach, die sich innerhalb der Stadt zum Salzbach vereinigten – zum Rhein geleitet. Auch das heiße Wasser der vielen innerstädtischen Thermalquellen floss den Bächen zu. Bereits im 18. Jahrhundert sah man die Notwendigkeit, den Abfluss der Thermalquellen besser zu regeln und errichtete hierfür erste Kanäle.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Wiesbadener Bäche, in denen nach wie vor das Abwasser abgeleitet wurde, übermauert und dienten als Sammelkanäle. Dadurch wurde der Salzbach in den folgenden Jahren immer mehr zur Kloake. Es stank zum Himmel.

Im unteren Lauf des Salzbachs wurden sieben Getreidemühlen durch den Abwasserstrom angetrieben.  Abwasser – Getreide – infiziertes Mehl – die Folge waren mehrere Typhusepidemien, denen viele Menschen zum Opfer fielen.

Nach der Typhus-Epidemie im Jahr 1885 – bei der 59 Bürgerinnen und Bürger starben – beschlossen die Wiesbadener Stadtväter den systematischen Ausbau der Kanalisation und beauftragten den Ingenieur Joseph Brix (1859-1943) damit, einen „Generalentwässerungsplan“ für die rasant anwachsende Stadt zu entwerfen.

Brix konzipierte ein Kanalsystem bestehend zum einen aus Bachkanälen und zum anderen aus Mischwasserkanälen, in dem Schmutz- und Regenwasser gemeinsam abgeleitet wurden.

1900 begannen die Bauarbeiten nach Entwürfen des Oberingenieurs Frensch. Wiesbaden zählte um die Jahrhundertwende etwa 86.000 Einwohner. Die Ingenieure Brix und Frensch bewiesen Weitsicht: Denn sie legten für den Bau eine Bevölkerung von 150.000 Einwohnern zugrunde.

Zuerst wurde der Abschnitt zwischen den neuen Gleisanlagen (1,6 Kilometer südlich des Bahnhofs) bis zum damaligen Kaiserplatz (heute Bahnhofsplatz) zwischen 1900 und 1903 fertig gestellt – also vom HKW bis zum Bahnhof (1. Ring) = Bauzeit: 3 Jahre.

Zwei Jahre später wurde – im Zuge des Baus der neuen Kaiserstraße (heute Friedrich-Ebert-Allee) – der nächste Abschnitt (1,3 km) in Angriff genommen = 2 Jahre Bauzeit.

Im Frühjahr 1907 erfolgte der Anschluss an den bestehenden alten Doppelkanal (von 1820) in den Anlagen „Am warmen Damm“ mit dem neuen Salzbachkanal.

Das Besondere am Salzbachkanal ist neben seiner Größe jedoch die Ausstattung. Die Klinkersteine wurden von Hand gebrannt und mit speziellem Mörtel zu kunstvoll gemauerten Korbbögen zusammengeführt. Sie trotzen seit über 100 Jahren dem Verfall. Seit der feierlichen Eröffnung des Kanalsystems im Jahr 1907 waren kaum Wartungsarbeiten nötig.

Die Bausumme betrug schon damals 1,5 Mio. Mark.

Termin

Da die coronabedingten Abstandsregelungen bei der Begehung des Kanals nicht eingehalten werden können, fällt die Veranstaltung dieses Jahr aus.

Virtuelle Führung durch den Salzbachkanal (auf YouTube)