Für die Sanierung eines schadhaften Kanalabschnitts stehen unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung, die nach mehreren Kriterien ausgewählt werden.

Neben der reinen Kostenfrage spielen auch Umweltaspekte oder die zu erwartende Stadtentwicklung eine große Rolle.

Sobald die Videobilder aus der TV-Inspektion ausgewertet und die festgestellten Schäden spezifiziert sind, wird für jede einzelne Haltung* eine Bewertung nach genannten Schadensklassen vorgenommen. Die Schadensklassen bilden die Entscheidungsgrundlagen für Reihenfolge und Umfang der Sanierungsmaßnahmen. Bei kleineren Schäden (Risse, Löcher, undichte Muffen, eingewachsene Wurzeln oder schadhafte und nicht fachgerechte Zuläufe), lohnt sich oftmals eine punktuelle Reparatur durch selbstfahrende Arbeitsroboter oder durch das Einbringen von so genannten Kurzlinern.

Weißt jedoch eine Haltung gleich mehrere schadhafte Stellen auf, dann kann es wirtschaftlicher sein, statt mehrere Einzelmaßnahmen gleich die gesamte Haltung mit einem so genannten Inliner auszukleiden. Ist die Bausubstanz der Haltung überhaupt nicht mehr tragfähig, kann man um eine umfangreiche Baumaßnahmen nicht herum. Der Kanal muss in der Regel aufgegraben und ersetzt werden, was einen Teil oder Vollsperrung der betroffenen Straße erfordert.

Wird in absehbarer Zeit ohnehin ein größerer Kanal benötigt , ist es sinnvoll, den Kanal auch bei kleineren Schäden gleich durch einen größeren zu ersetzen, wenn dadurch auf Jahrzehnte eine störungsfreier Betrieb gewährleistet werden kann.

Schlauchliner

Für diese Art der Sanierung müssen wir keine Baugrube ausheben, aber zeitlich begrenzte Halteverbotsschilder aufstellen!

Schlauchliner sind, vereinfacht gesagt, kunstharzgetränkte Schläuche, die für jeden Kanalabschnitt entsprechend gefertigt werden. Länge, Durchmesser und Wanddicke müssen zum vorhandenen Kanal und dessen Zustand passen. Der Inliner wird in den vorgereinigten Kanalabschnitt eingezogen, mit Druckluft aufgestellt wie ein Ballon und mit UV-Licht ausgehärtet*. Wenn er fertig ist, liegt er als eine zähe zweite Haut fest innen an der Kanalwand und schützt sie vor weiteren Schäden.

Zuletzt werden die bestehenden Hausanschlüsse freigefräst. An Zuläufen erfolgen punktuelle Sanierungen durch Roboter.

Warum stehen dort Halteverbotsschilder, wenn niemand dort arbeitet?

Halteverbotsschilder müssen 72 Stunden vor dem Zeitpunkt aufgestellt werden, ab dem sie gelten sollen, sonst ist das Verbot nicht wirksam.

Wir brauchen eine gewisse Flexibilität, damit Arbeiten zügig durchgeführt werden können. Das hat zur Folge, dass die zeitlich begrenzten Halteverbotsschilder nicht nur für die Stunden der Arbeit vor Ort, sondern für einen etwas größeren Zeitraum gelten müssen.

Die Sanierung mit Schlauchlinern geschieht in mehreren, aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten mit einiger Zeit (Tage) Versatz. Daher ist es - unter Berücksichtigung der Punkte 1 und 2 - nicht sinnvoll - ständig zwischen Halteverbot gilt bzw. gilt nicht zu wechsel.  Die Sanierung mit Schlauchlinern lässt mit der Modernisierung einer Wohnung bzw. dem Bau einen Wohnheims vergleichen:

Vergleichspunkt 1 - Arbeitsschritte nacheinander: Wenn in einem Zimmer den Estrich erneuert, kann man nicht gleichzeitig die Fenster einbauen und tapezieren. Wir können nicht gleichzeitig den Schlauchliner aushärten und Hausanschlüsse freifräsen.

Vergleichspunkt 2 - Unterschiedliches nacheinander: Wenn die zukünftigen Bewohner den Boden (Parkett, Fliesen, Teppich etc.) in den zehn Wohnheimzimmern aussuchen können, wird erst z. B. in den Zimmer 2, 5, 7 und 9 Parkett verlegt, dann werden die Zimmer 1, 3, 8 und 1) gefliest und am Ende bekommen Zimmer 4 und 6 Teppich. So ist es auch bei der Sanierung mit Schlauchliner: Erst werden die Liner einer Länge und eines Durchmessers eingezogen, dann die einer anderen Länge bzw. Durchmessers. So kann es sein, dass wir in einer Straße nicht am Stück arbeiten, sondern häufiger

* Bedingt durch die im Kunstharz enthaltenen Lösungsmittel kann es bei der Ausführung der Arbeiten zeitweise zu Geruchsbelästigungen kommen. Diese sind nicht gesundheitsschädlich und auch nur von kurzer Dauer.

Schachtreparatur

Schachtbauwerke, insbesondere der Schachtrahmen, in dem der Schachtdeckel liegt, können durch die permanente Verkehrsbelastung beschädigt werden. Dann wird von ELW_Spezialisten die Straßendecke kreisförmig aufgesägt, der Schachtrahmen wird freigelegt und ausgewechselt. Dank spezieller schnellbindender Baustoffe ist die Baumaßnahme schon nach zwei bis drei Stunden vollständig abgeschlossen und die Straße wieder befahrbar.

* Haltung = Kanalabschnitt zwischen zwei Schächten (Kanaldeckeln)