Das Kanalnetz

Intakte Abwasserkanäle sind für eine Stadt von großer Wichtigkeit. Deshalb wird das Wiesbadener Kanalnetz von den 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Abteilung „Kanalbetrieb“ regelmäßig gereinigt und überprüft. Viele Abschnitte des 802 Kilometer langen,  öffentlichen Systems inklusive der 103 Sonderbauwerke sind gut in Schuss und funktionieren einwandfrei – und das, obwohl viele Kanäle und Rohre bereits an die hundert Jahre alt sind.

Kanäle in Wiesbaden

Über 90 Prozent der Wiesbadener Kanalisation ist im sogenannten Mischsystem angelegt. Das bedeutet, dass das Schmutz- und Niederschlagswasser von den Häusern, Gewerbebetrieben, Plätzen und Straßen in den selben Kanal fließt. Im sogenannten Trennsystem fließen Schmutz- und Niederschlagswasser in zwei separaten Rohren, wobei das Niederschlagswasser meist direkt einem Gewässer zugeleitet wird oder versickert.

Rund 74 % der öffentlichen Kanäle sind aus Beton, 15 % aus Steinzeug und
6 % aus Ziegeln gemauert. Die restlichen Kanäle bestehen zum Beispiel aus Stahl, Guss oder Kunststoff.

Fünf Prozent des Wiesbadener Kanalnetzes sind begehbar und 75 % der Kanäle sind kleiner als 40 cm im Durchmesser.

Regelmäßige Inspektionen

Alle 15 Jahre muss das gesamte Kanalnetz einmal inspiziert und der Zustand qualifiziert bewertet werden. Die Daten der Begehungen und der robotergestützten, fernoptischen Kamerainspektionen bilden zusammen mit den Ergebnissen aus der rechnerischen Überprüfung der hydraulischen Leistungsfähigkeit die Grundlage für die Erstellung von Generalentwässerungsplänen.

Ausgehend davon werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Abteilung Planung und Bau zukunftsorientierte und auf Nachhaltigkeit angelegte Sanierungsmaßnahmen und Kanalerneuerungen geplant. Ziel ist die dauerhafte Instandhaltung und Werterhaltung der Wiesbadener Abwasseranlagen.

Sonderbauwerke

Um die Abwasseranlagen sicher und überflutfrei zu betreiben, die Gewässerbelastung zu minimieren und einen wirtschaftlichen Betrieb der Abwasseranlagen sicher zu stellen, verfügt das Wiesbadener Kanalnetz über 103 Sonderbauwerke. Diese gliedern sich in

  • Regenentlastungsanlagen
  • Regenrückhalteräume
  • Pumpanlagen
  • Versickerungsanlagen.

Regenentlastungsanlagen

Regenentlastungsanlagen dienen dazu, bei stärkerem Regen stark verdünntes Mischwasser in einen Vorfluter (Gewässer) unter Einhaltung der zulässigen Grenzwerte abzuleiten, um das nachfolgende Kanalnetz und die Klärwerke nicht zu überlasten. Die Anlagen springen in der Regel 20 bis 30 Mal im Jahr an. Demnach werden 97 % der maßgeblichen Schmutzstoffe sicher zum Klärwerk geleitet.

Es gibt drei Arten Regenentlastungsanlagen:

  • Regenüberläufe (50 Stück): Diese stellen die einfachste Form einer Entlastungsanlage dar, es sind Bauwerke ohne zusätzlichen Speicherraum und technische Ausrüstung.


  • Regenüberlaufbecken(23 Stück): Diese haben wie die Regenüberläufe auch eine Entlastung in ein Gewässer aber ein zusätzliches Rückhaltevolumen zur Speicherung des Abwassers, welches dann zeitlich verzögert den Klärwerken zugeführt wird. Das Gesamtspeichervolumen dieser Anlagen beträgt rund 45.000 m³.


  • Kanalstauräume (8 Stück): Diese Anlagen funktionieren wie ein Regenüberlaufbecken, jedoch ist hier kein Becken angeordnet, sondern das Abwasser wird in den großen Rohrprofilen zwischengespeichert. Der größte der acht Kanalstauräume ist der Hauptsammler West, der auf einer Strecke vom Hauptbahnhof bis zur Kläranlage ein Fassungsvermögen von 17.000 m³ aufweist. Insgesamt haben die Kanalstauräume ein Volumen von 26.000 m³.

Regenrückhalteräume

Hier unterscheidet man grundsätzlich in Rückhalteräume im Kanalnetz und Rückhalteräume vor der Einleitung in ein Gewässer. In den Regenrückhalteräumen im Kanalnetz wird das Abwasser gespeichert und zeitlich verzögert abgegeben, so dass das nachfolgende Kanalnetz nicht überlastet wird. Eine Einleitung in ein Gewässer erfolgt nicht. Es gibt in Wiesbaden fünf Regenrückhaltebecken und ein Staukanal als Rückhalteraum im Kanalnetz mit einem Speichervolumen von rund 12.000 m³. Um die hydraulische Gewässerbelastung aus den Regenentlastungsanlagen zu verringern, gibt es zwei Rückhaltebecken zwischen Auslasskanal und Gewässer. Diese Becken sind als Erdbecken ausgebildet und haben ein Volumen von 8.000 m³.

Pumpanlagen

Bedingt durch die Topographie Wiesbadens kann nicht sämtliches Schmutzwasser in freiem Gefälle den beiden Klärwerken zugeführt werden, sondern muss über 12 Pumpwerke bis in Höhe der jeweiligen Freispiegelleitungen gehoben werden. Diese Anlagen werden in drei Großpumpwerken und neun kleineren Pumpstationen unterschieden. Darüber hinaus sind neun vorgenannte Regenentlastungsanlagen zusätzlich mit Pumpen ausgerüstet.

Versickerungsanlage

Grundsätzlich ist die Versickerung von Regenwasser in Wiesbaden aufgrund der Bodenverhältnisse nur eingeschränkt möglich. In Wiesbaden gibt es zur Zeit eine öffentliche Versickerungsanlage als Erdbecken, in der das Regenwasser aus einem Baugebiet gesammelt wird und im Untergrund versickern kann.

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