Standort Deponie

Das Muschelkalkmeer nördlich der heutigen Alpen bildete ein abgeschlossenes Randmeer in Mitteleuropa, das mit der Tethys, dem damaligen Ozean in der Position des heutigen Mittelmeers in Verbindung stand.

Die Entwicklung des Standortes

Während dieser marinen Phasen entstanden in Hessen die Karbonat-gesteine, nämlich im Devon und Karbon, Zechstein, Muschelkalk und Keuper sowie im Tertiär-Zeitalter.

Lagerstätten von Karbonatgesteinen sind aufgrund der differenzierten Geologie Hessens einerseits im Landesmaßstab dezentral verteilt, andererseits regional konzentriert. Aktuelle Abbauschwerpunkte liegen in Nordosthessen, dem Lahn-Dill-Gebiet und bei Wiesbaden. Tertiärzeitliche Kalksteine mit Qualitäten für die Zementherstellung treten nur im Raum Wiesbaden auf. Für die Zementherstellung eignen sich in Hessen in erster Linie die tertiären Kalksteine des Mainzer Beckens.

Begonnen hatte der Kalksteinabbau bereits 1870 am Standort der alten Deponie an der Mainzer Straße durch die Firma „Portland-Cement-Fabrik Dyckerhoff & Söhne" in Amöneburg. Erst zwischen 1900 und 1910 wurde das Steinbruchgelände, in dem sich heute die Deponie befindet, erschlossen.

Zwischen 1944 und 1945 wurde der Steinbruch Ziel von Bombenabwürfen der Allierten, weil oberhalb des Steinbruchs eine große Flakstellung zur Verteidigung der Stadt Wiesbaden seinen Standort hatte.

Bis zum Jahr 1952 dehnte sich der Steinbruch rasch aus. Nach dem Abbau des Kalksteins wurde das Gelände lange Zeit mit dem Abraum aus dem Abbaubetrieb verfüllt. Aus den Steinbrüchen der Lagerstätte Wiesbaden wurde über einen Zeitraum von 138 Jahren insgesamt mehr als 110 Millionen Tonne Kalkstein für die Zementherstellung gewonnen.

Seit den 60er Jahren wurden Böden und Bauschutt für die Flächenverfüllung genutzt, Anfang der 70er Jahre erstmals Müll aus der Müllzerkleinerungsanlage an der Deponie Mainzer Straße.

Abgegraben wurde der Kalkstein bis zu einer Schicht aus Tonmergeln und Tonen (Tertiär). Teilweise wurden große Löcher im Ton zur Wasserhaltung hergestellt.

Diese obersten Schichten bestehen, soweit noch vorhanden, aus einem engen Wechsel von Mergeln, Schluffmergeln, Kalk- und Hydrobiensanden und Kalkbänken. Hydrologisch müssen die Hydrobienschichten insgesamt als grundwasserleitendes Stockwerk betrachtet werden. Heute wird diese Schicht als Untere und Obere Hydrobienschicht bezeichnet bzw. einfach als oberstes Grundwasserstockwerk I.

Die darunter liegenden tertiären Schichten wurden unter stark wechselnden Sedimentationsbedingungen abgelagert und liegen als ein Wechsel von Mergeln, Ton- und Schluffmergeln und Mergel-Tonen mit eingeschalteten Kalken und Hydrobiensanden vor. Markant ist der obere Abschnitt, der sich praktisch im gesamten Gebiet durch das Vorwiegen von dunklem (zum Teil dunkelblauen bis schwärzlichen) Tonen auszeichnet (Dunkle Folge).

Die Tonmergel und Tone sind hydrogeologisch im Sinne der DIN 4049 als Grundwassernichtleiter anzusehen. Eingebettete Sande weisen infolge ihres Feinkornanteils nur eine geringe Durchlässigkeit auf, sodass sie als Grundwasserhemmer zu betrachten sind.

Sofern tatsächlich grundwasserleitende Schichten angetroffen werden, stehen diese unter einem artesischen Druckgefälle. So ist der (gespannte) Grundwasserspiegel in der Regel über dem darüber liegenden Grundwasserstockwerks I angesiedelt. Die Schichtenfolgen dieses zweiten Grundwasserstockwerks werden in den Gutachten auch als Corbiculaschichten bezeichnet.

Diese Untergrundverhältnisse wurden im Wesentlichen durch aktuelle Gutachten bestätigt und ergänzt, z.B. beim Bau der Deponie III. Aber auch beim Bau von neuen Grundwasserbrunnen im Abstrombereich der Deponie II und im Abstrombereich der Deponie I wurden die genannten Grundwasserverhältnisse bestätigt.

In den Grundwassergleichenplänen zeigt sich, dass die generelle Grundwasserfließrichtung im Mittel nach SW in Richtung auf den Hauptvorfluter Rhein zuläuft.

Innerhalb der Niederterrasse (A671, ca. 1 km seitlich des Rheins) schwenkt die Fließrichtung zumindest im westlichen Bereich nach SSW um, so dass die Grundwassergleichen dort nahezu parallel zum Rhein verlaufen.

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