Ressourcenpotential der Deponie

Von Anfang 2012 bis Frühjahr 2014 untersuchte ELW zusammen mit der Justus-Liebig-Universität Gießen das Ressourcenpotential des Deponieabschnitts I.

Forschungsprojekt zur Ressourcenerkundung

Der in den Jahren 1964 bis 1982 verfüllte Deponieabschnitt I verfügt über eine Fläche von rund 27,6 Hektar. Hier wurden etwa 19,7 Millionen Tonnen Abfall, das entspricht rund 12,8 Millionen Kubikmetern, abgelagert. Die Ablagerungen erfolgten in einem Zeitraum, der als "Wirtschaftswunder" und "Wegwerfgesellschaft" charakterisiert werden kann. Demzufolge findet sich hier eine Fülle von abgelagerten Stoffen aller Art.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden 28 Bohrungen mit einem Durchmesser von 40 cm bzw. 80 cm bis zu 37 Meter tief in den Deponiekörper gebohrt. Die Lage der Bohrungen wurde unter Zuhilfenahme von historischen Daten, alten Luftbildern, früher ausgeführten Gas- und Brunnenbohrungen und eines vorhandenen 3D-Modells festgelegt.

Die Bohrungen erfolgten zunächst im Greiferverfahren. Dies ermöglichte eine schichtenweise Klassifizierung des Deponiematerials in Höhenschritten von einem Meter. Das Bohrgut wurde dann Schicht für Schicht sortiert und wissenschaftlich auf Ressourcenmaterialien untersucht. Die Schichtenfolgen der einzelnen Bohrungen wurden in das bereits vorhandene digitale 3-D-Modell übertragen und ermöglichten so, auch als Nebeneffekt einen relativ genauen Einblick in den Aufbau des Deponiekörpers. Außerdem konnte anhand der nun bekannten Schichtenfolge die geplante Lage der nächsten benachbarten Bohrstellen neu festgelegt und den fortgeschrittenen Erkenntnissen angepasst werden.

Im Lauf der ersten Bohrungen zeigte sich jedoch, dass  der Greifer des Bohrgerätes im dicht gelagertem Abfall Schwierigkeiten hatte eingelagerte, große Folienlagen oder Teppichbodenstücke  zu greifen und aus dem Bohrloch zu fördern.

Aus diesem Grund entschloss man sich, das Bohrverfahren umzustellen und die restlichen Bohrungen mit einer Bohrschnecke auszuführen. Hierbei konnte durch den Einsatz unterschiedlicher Bohrköpfe wesentlich flexibler auf ein Bohrhindernis reagiert werden. Die schichtweise Klassifizierung des Deponiematerials in Ein-Meter-Schritten blieb unverändert.

Die Mitarbeiter des Institutes für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig-Universität Gießen unter Prof. Dr. Stefan Gäth sortierten das Bohrgut vor Ort in diverse Wertstoffe, wie zum Beispiel Metalle, Holz, Kunststoffe oder Böden und Steine. Anschließend wurden die Böden im Labor auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht.

Nach Abschluss der Bohrarbeiten, mit insgesamt 615 Bohrmetern, erfolgten die Analysen und Auswertungen an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

Die Ergebnisse

Es wurden fünf wesentliche Ergebnissen für den Deponieabschnitt I herausgearbeitet:

  • Er besitzt auf Grund der geringen Menge der gefundenen Schadstoffe ein geringes Gefährdungspotential für Umwelt und Grundwasser.
  • Er hat nur ein geringes Rohstoffpotential im Sinne heute wirtschaftlich verwertbarer Materialien wie zu Beispiel Metalle, Kunststoffe oder energetisch verwertbarer Stoffe.
  • Er hat ein hohes Potential an mineralischen Baustoffen, die als Recycling-Materialien verwendet werden können, mit der Folge, dass an anderer Stelle durch Steinbrüche weniger in die Natur eingegriffen werden müsste.
  • Die Fläche des Deponieabschnittes I hat ein hohes Potential zur Folgenutzung durch Gewerbe wie beispielsweise Bauschuttaufbereitungsanlagen.
  • Die wirtschaftliche Kosten- / Nutzenanalyse ergab jedoch auch, dass zum heutigen Zeitpunkt ein kostenneutraler Rückbau nicht möglich ist.


Für ELW bedeutet dies, dass zum heutigen Zeitpunkt kein Sanierungsbedarf für den Deponieabschnitt I besteht. Weiterhin wurde deutlich, dass es derzeit wirtschaftlich nicht möglich ist, den Deponieabschnitt I zurück zu bauen. Weder die zu realisierenden Material-, noch die erzielbaren Grundstückserlöse lassen erwarten, die Rückbaukosten vollständig zu tragen.

Es bedeutet aber auch, langfristig die Markpreise der Rohstoffe und die Grundstückspreise in Wiesbaden zu beobachten, um dann in der Zukunft die erkannten Potentiale des Deponieabschnittes I nutzen zu können. Sollten die Prognosen unserer Berater zutreffen, kann ein Rückbau in etwa 30 Jahren, wenn einerseits die Erlöse für Wertstoffe und andererseits die Grundstückspreise für industrielle Nutzflächen in Wiesbaden weiter gestiegen sein werden, von großem Interesse sein.

Den ELW wurde durch das Forschungsprojekt aber auch eine qualifizierte, belastbare und aktuelle Grundlage zur Entscheidungsfindung für einen Rückbau des Deponieabschnittes I und zu dessen Wirtschaftlichkeit gegeben.

Wirtschaftlichkeitsprognosen für einen eventuellen Rückbau in der Zukunft sind mit Hilfe der gewonnenen Basisparameter des Deponieabschnittes I jederzeit durchführbar. Folgende Generationen können auf das Wissen aufbauen und im Sinne von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit dann erforderliche Maßnahmen weiterentwickeln.